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Die Geburtsstunde des

Landkreises Wolfenbüttel

folgte der “Neuen Landschaftsordnung” von 1832, die im vormaligen Herzogtum Braunschweig sechs Kreisdirektionen schaffte. Diese Ordnung hat der Landkreis Wolfenbüttel über 110 Jahre als größter Landkreis des früheren Landes Braunschweig bis 1941 behalten, als die “Salzgitter-Verordnung” in Kraft trat, in der 20 Gemeinden abzutreten waren. Zum Ausgleich erhielt der Landkreis 10 Gemeinden vom Landkreis Marienburg. Außerdem wurden die Gemeinden Hessen und Pabsdorf zum Landkreis Wernigerode und die Stadt Hornburg samt Isingerode und Roklum zu Wolfenbüttel geschlagen. Am 30.5. 1963 bildete sich Gemeinde Süd-Elm mit dem Sitz in Schöppenstedt als erste Samtgemeinde im Verwaltungsbezirk Braunschweig.
         1971 sollte das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Braunschweig/ Wolfenbüttel/ Helmstedt/ Peine/ Salzgitter zunächst nur eine Verbesserung der Gemeindestruktur bringen: die Gemeinden sollten zu Verwaltungseinheiten, Einheitsgemeinden oder Samtgemeinden, zusammengefasst werden, die möglichst mehr als 7000 Einwohner haben sollten. Auch wenn Landesregierung die Auflösung des Landkreises Braunschweig vorschlug, da dieser nach Eingliederung zahlreicher Umlandgemeinden nicht mehr lebensfähig sein würde, sollte eine umfassende Kreisreform zunächst nicht eingeleitet werden. Ohne Vorwegnahme der endgültigen Regelung sollten neugegliederte Gemeinden aus Gebieten zweier Landkreise jeweils dem Landkreis zugeordnet werden, der die meisten Einwohner einbrachte.
         Nach diesem Grundsatz war für Schladen keineswegs die Lösung zu erwarten, welche die Fraktionen des Landkreises im Anhörungstermin gefordert hatten, denn in einer neugeschaffenen Samtgemeinde Schladen (mit Isingerode, Beuchte und Wehre), Gielde, Werlaburgdorf und Homburg überwog der Goslarer Anteil. Die heftigen Diskussionen endeten so, dass der Landtag sich entgegen ursprünglicher Absicht entschloss, ein wesentliches Stück der umfassenden Kreisreform vorwegzunehmen. Diese sollte in der achten Wahlperiode im Frühjahr 1976 in Kraft gesetzt werden, um die daraus resultierenden Neuwahlen mit den allgemeinen Kommunalwahlen zusammenfallen zu lassen.
         Nur so ist zu verstehen, dass Schladen zum Landkreis Wolfenbüttel kam. Dieser Gewinn musste mit einem schwerwiegenden Verlust erkauft werden: Die Stadt Bad Harzburg wurde in den Landkreis Goslar eingegliedert. Leichter zu verkraften waren die Nichteingliederung der Gemeinden Vechelde, Wendeburg und Lehre, die den Landkreisen Peine und Helmstedt zugeordnet wurden. Der Landkreis Wolfenbüttel wurde auch nicht, wie zunächst vorgesehen, Rechtsnachfolger des aufgelösten Landkreises Braunschweig; diese Position wurde der kreisfreien Stadt Braunschweig übertragen.
         Die geplante Verabschiedung des Gesetzes zum 1. März  1974 machte im Januar des Jahres, praktisch über Nacht, Verhandlungen über zwei Gebietsänderungsverträge erforderlich. Bei diesen Verhandlungen ging es um die Eingliederung der kreisangehörigen Gemeinden Leiferde, Geitelde und Stiddien in die Stadt Braunschweig, ferner um die der kreisangehörigen Gemeinden Sauingen und Üfingen in die Stadt Salzgitter, vor allem aber um die Probleme, die die vom Landtag beschlossene Auflösung des Landkreises Braunschweig aufwarf. Wie erwartet, gestalteten sich die Verhandlungen mit dem Landkreis Goslar wenig harmonisch. Zwar verursachte die Eingliederung der Goslarer Gemeinden Steinlah und Haverlah im Westen sowie Ohrums, Dorstadts, Heiningens, Groß und Klein Flöthes im Osten keine Spannungen; heftige Auseinandersetzungen aber gab es aber bis zuletzt wegen der Eingliederung der neuen Samtgemeinde Schladen. So konnten vor der Endabstimmung im Landtag keinerlei Regelungen zwischen den beiden rivalisierenden Landkreisen vorbereitet  werden. Ergebnis der hektischen Verhandlungen war schließlich ein Gebietsänderungsvertrag, dem beide Kreistage zustimmten. Bei diesen Verhandlungen waren vor allem die vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen um die Kreiseinrichtungen in Bad Harzburg strittig, das immer als Perle des Landkreises gegolten hatte.

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