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GILZUM222 Seelen und jede Menge Selbstbewusstsein. „Die drei Bergstädte" nennen sich allen Ernstes: Evessen, Hachum und Gilzum, die sich zu einer Gemeinde zusammengeschlossen haben. Die drei Orte liegen in der Tat auf den Spitzen benachbarter Hügel, was eine schöne Rundumsicht ermöglicht. Fast alle Häuser Gilzums stehen zwischen Elmstraße und Asseblick.
          In den Häusern herrschte im Jahre 2002 Unruhe. Grund waren Vorbereitungen für das Dorfjubiläum; der Aktionstag
850 Jahre Gilzum fand am 22. Juni statt. Eigentlich hätte der Ortsname auf noch früheren Ursprung schließen lassen. Bei der Endung ´um´ handelt es sich jedoch um ein im Lauf der Zeit abgeschliffenes  ´heim´. Ursprünglich hieß die Siedlung “Gellesheim”.
          1619 wurden Steuern neu festgelegt. Zu diesem Zweck wollte Herzog Friedrich Ulrich (regierend von 1591 bis 1634) genau wissen, wie viele Tiere jeder im Stall hatte. Selbstverständlich war Gilzum damals nicht größer als heute, nur etwa 70 Menschen lebten dort. Und drei Mal so viele Nutztiere: 64 Pferde, 59 Kühe und 82 Schweine. Von 22 landwirtschaftlichen Betrieben (1945) sind gerade noch drei übrig und dieser Schrumpfungsprozess scheint noch nicht zu Ende. Zuerst wurden im Land die Schlachthöfe geschlossen, dann die Zuckerfabriken, schließlich die ersten Höfe.
           Vom Glanz vergangener Tage ist in Gilzum jedoch noch einiges zu sehen. Beim Spaziergang durchs Dorf fallen prächtige Wohnhäuser wohlhabender Bauern auf. Und viele große Scheunen, die das Ortsbild prägen und deshalb erhalten bleiben sollten.

GROSS BIEWENDE ist Teil eines kleinen mittelalterlichen Staatswesens, dessen Hauptort es einst gewesen ist: der reichsunmittelbaren Edelherrschaft Biewende. Die Edelherren von Biewende sind von 1118 bis 1311 nachweisbar. Es gelang ihnen, einen von den Welfen unabhängigen Miniatur-Staat aufzubauen und dessen Unabhängigkeit zu verteidigen.
         Zum Einflussbereich zählten Güter und Rechte auch in Winnigstedt, Wegersleben, Dorstadt, Lengede und Rohrsheim. Die Edelherren lehnten sich politisch an das Fürstbistum Halberstadt an. Sie waren im übrigen kaisertreu, standen also im Konflikt zwischen Welfen und Staufem auf Seiten der letzteren. Nach dem Untergang der Staufer 1254 wurde ihre Stellung unhaltbar. Schon zuvor hatten sie, um ihr kleines Land gegen die stets auf Gebietserweiterung bedachten Herzöge von Braunschweig zu verteidigen, eine Streitmacht unterhalten, deren Kosten die Edelherren nach und nach zum Verkauf ihrer Güter zwangen. Schließlich gaben sie auf und zogen ins Halberstädtische, wo sich ihre geschichtliche Spur verliert.
          Erhalten geblieben sind nur ihre Wappensiegel. Sie zeigen drei  merkwürdige Figuren, nämlich drei Frauenarme, die mit einem damals modischen Kleidungsstück umhüllt sind, einem Beutelärmel, der es erlaubte dass die Frauen alles Notwendige mit sich führen konnten, etwa so wie in einer Handtasche.
          Warum die Edelherren in einer ansonsten ganz von männlichen Wappenfiguren und Symbolen, wie Löwen, Adlern, Schwertern beherrschten geprägten Heraldik ein so weibliches Accessoire als Wappenbild wählten, darüber schweigen die Chroniken. Jedoch gibt es eine Vermutung: Als Regenten eines wenn auch kleinen Staates unterhielten sie eine Hofhaltung. Die hochmittelalterlichen Höfe waren Zentren des ritterlichen Minnedienstes, der die Frauen in Gedicht und Lied verehrte. So konnte mit einer eleganten symbolischen Dauerdemonstration unterstrichen werden, dass man auf einer Stufe mit anderen Fürstenhöfen stand. Die Lindenblätter im Wappen haben sowohl eine historische als auch eine natürliche Wurzel. Außer den Edelherren waren in Groß Biewende noch die mit ihnen nicht verwandten Ritter Spiring von Biewende begütert. Auch von ihnen sind Wappensiegel mit einem Lindenspross erhalten.Linden als Naturdenkmale haben sich überdies vor der Kirche bis in die Gegenwart erhalten und drücken zugleich die Hoffnung auf Gedeihen des Ortes auch in der Zukunft aus.
          Da die Farben der historischen Wappen nicht überliefert sind, wurden für das Ortswappen Grün und Gold als Farben der Landwirtschaft gewählt: der Getreide- und Rübenanbau bildete jahrhundertelang den wichtigsten Wirtschafts- und Erwerbszweig Groß Biewendes und spielt auch heute noch eine Rolle. Übrigens hat der Ortsname nichts, wie gelegentlich vermutet, mit „Gewand" zu tun, sondern leitet sich von dem Wort „Biunda" ab, das so viel wie „eingefriedetes Land" bedeutet. Dies wird durch den Schildbord versinnbildlicht, der zugleich die Außengrenze der reichsfreien Herrschaft markiert.
           In der Feldmark gibt es zwei Stellen, an denen einst Dörfer gestanden haben: Klein Neindorf (auch: “Krautdorf”) und Mollenstedt. Diese mussten nach dem 30jährigen Krieg aufgegeben werden

Gut von MünchhausenGROSS VAHLBERG Bedingt durch die strategische Lage am Rande der Asse und wegen des guten Bodens war das Land um Groß Vahlberg schon früh besiedelt. Ein nahe gelegenes Flurstück heißt „Potwiese", was möglicherweise auf das Vorkommen von Urnen hinweist. Man fand  am Galgenberg neben Scherben aus dem 7. Jahrhundert auch eine Schnalle und einen Riemenbeschlag aus der Merowingerzeit. Der Ortsname basiert auf dem Begriff der “vale berge”, womit die Hänge des Gebirgszuges Asse gemeint waren. Val, also erdfarben, müssen sie gewesen sein als das Dorf 1242 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seinerzeit saßen die Herren von Weferling auf diesem Fleck, der ihnen 500 Jahre lang als Vorwerk diente. Das Kloster Bursvelde verkaufte dem Blasiusstift in Braunschweig 1281 zwei Hufen in Groß Vahlberg. In einer gefälschten Urkunde liest man die Ortsbezeichnung „In Valeberge". In den Jahren 1237-1248 taucht immer wieder die Schreibweise de medio Valeberke auf, 1281 schrieb man in medio Valeberghe, 1299 Middelstenvaleberghe, 1315 in middelsten Valberghe und 1348 groten Valeberghe.
            Im Jahre 1776 kaufte der Herzoglich Braunschweigische Geheimrat Albrecht Emond Georg von Münchhausen das Lehnsgut, so berichtet Rembert Freiherr von Münchhausen, ein direkter Nachfahre jenes Geheimrats. Und er ist auch verwandt mit dem legendären Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen (1720-1797). Auf diesen Baron, der als braunschweigischer Offizier diente, gehen bekanntlich die herrlichen, fantasievollen Lügengeschichten zurück, die als „Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande" Weltruhm in der Literatur ernteten. Dann gab es noch den Lyriker Bornes von Münchhausen (gestorben 1945), und eine Reihe von Persönlichkeiten aus dieser Familie am ehemals braunschweigischen Hof. Noch immer bewohnt die Familie Münchhausen das Rittergut, das die Entwicklung des kleinen Ortes geprägt hat. Doch wie in allen landwirtschaftlich orientierten Dörfern ist diese Verbindung nachhaltig zurückgegangen. Neben dem Gut fünf bewirtschaftete Höfe - nach dem zweiten Weltkrieg waren es noch zwölf. Freifrau Verena von Münchhausen ist heute stellvertretende Bürgermeisterin im Gemeinderat.
           Die evangelisch-lutherische Kirche Groß Vahlbergs ist ein mittelalterlicher Bau mit romanischem Bergfried-Turm, in dem sich zwei  Grabgewölbe der Familien von Weferlingen und von Münchhausen befinden. Die Pfarrkirche wird bereits 1237 erwähnt. Das einheitliche Kirchenschiff mit Dreiviertelschluss wurde 1737 auf romanischem Fundament errichtet und 1950 renoviert. Im Inneren finden sich die Grabsteine Karls von Weferlingen (1594), Ulrichs von Weferlingen (1611) und seiner Gattin Katharina von Blankenburg. Über dem spitzbogigen Eingang befindet sich das Relief eines bärtigen Mannes, der mit beiden Händen einen Stein über seinem Kopfe hält, es ist vermutlich heidnischen Ursprungs. In Groß Vahlberg ist übrigens eines der letzten Patronate Niedersachsens lebendig. Seit mehr als 225 Jahren üben Münchhausens das Patronat aus; sie zahlen also für kirchliche Baumaßnahmen und andere Dinge. Wer den Kopf hebt, erblickt die „Prieche". In ihr saßen beim Gottesdienst die Gutsherren. Sie sitzen dort noch immer. Der herrliche Gutspark mit den exotischen Bäumen ist heute  Landschaftsschutzgebiet. Im „Schönebusch", einem Wäldchen unweit des Dorfes befindet sich die Gedenkstätte derer von Münchhausen, von der aus eine Sichtachse weit ins Land reicht.
          Gibt´s hier zu wenig Abwechslung?...
... man könnte es meinen, wenn man die Abwanderung aus Groß Vahlberg verfolgt. In gewissem Rahmen könnte sich das ändern, wenn von Münchhausen seine Pläne umsetzt. Er hat eine Reihe leerer Ställe mit sehenswertem Gewölbekeller, in denen er sich gut Ateliers oder eine Galerie vorstellen kann. Verbunden mit Gastronomie könnte dieses Konzept ebenso klappen wie auf Gut Lucklum, zumal eine reizvolle Aussicht lockt: Auf der anderen Hofseite steht ein nach Plänen Hermann Korbs errichtetes Inspektorenhaus. Allerdings war das prachtvolle Gebäude nicht für Vahlberg konzipiert, sondern stand einst neben dem herzoglichen Schloss in Salzdahlum, wo es bis zum Abbruch des fürstlichen Schlosses 1813 als Pagenhaus diente. Es wäre schon reizvoll, wenn auf dem Hof wieder Leben einkehren würde.
            Durchaus bemerkenswert ist auch die ehemalige
katholische Kirche (heute Wohnhaus), die bis 1997 in einem ehemaligen Molkereigebäude am “Vorwerk” untergebracht war. Auf Initiative des damaligen Pfarrers Schwärmer wurde dort das von ihm entworfene “Marienfenster” eingebaut, welches dem Innenraum Licht gab. Der derzeitige Eigentümer Peter O. Zwickel plant den Ausbau seiner Computersammlung zu Museum im Kapellenraum.          

Harbke SchlossruineHARBKE (Direkt am Lappwald, nahe Bad Helmstedt) Im Schatten der morbiden Schossruine in einem wunderbaren Park werden Erinnerungen wach. Unbedingt sehenswert (wie lange noch möglich?). Empfehlenswert: Rundtour (Fahrrad) Harbke - Bad Helmstedt - Behndorf - Morsleben - Marienborn (Zonengrenzmuseum) - Harbke; teilweise auf befestigten Waldwegen.                            

                                                                                                                           Schlossruine Harbke. (mehr)

HEDWIGSBURG , bekannt als eines der ehemaligen Braunschweigischen Schlösser. 1196 vom Halberstädter Bischof als "capella Stekelenborch" geweiht, gehörte die Pfarre zum Bann Kissenbrück. Das Hedwigsburg: KartePfarrpatronat war um 1388 herzoglich und gehörte ab 1420 dem Domstift Braunschweig. Der angegliederte Meierhof fiel 1578 an Herzog Julius, der das Gut in ein Lustschloss verwandelte und seiner Gemahlin, Hedwig von Brandenburg, als "Hedwigsburg" zum Geschenk machte. 1630 wurde das Gut als Rittergut veräußert, ging aber später an die Herzöge zurück. Seit Anton Ulrich fiel es an den jeweiligen Erbprinzen. Herzog Karl I. überließ das Anwesen 1769 seinem Minister von Münchhausen. Nach mehrfachem Besitzerwechsel ging es 1900 an die Löbbeckes über. Das Schloss wurde am 14.1.1944 zerstört. Geblieben ist der Schlosspark, der von Kissenbrück aus zu erreichen ist und heute zum Rittergut Kissenbrück gehört. Oberhalb der Lindenallee findet sich eine Frauengestalt, "Stärke", mit Löwen und eine lebensgroße Marmorfigur "Göttin der Liebe", vermutlich aus dem Nachlass von Salzdahlum.
           Außer dem Gut zählen zu Hedwigsburg die post, die Fährmühle, die zuckerfabrik und der Bahnhof. Am 30. November1828 zog zum ersten mal ein “Dampfwagen” zwei waggonds mit HerezogWilhelm als Passagier aus dem Braunschweiger Bahnhof heraus auf einer Strecke, die schließlich bis Bad Harzburg ereweitert wurde. Der erste Bahnhof Hedwigsburg lag 200 Meter südlich des Ortes; die Reisenden mussten eine Böschung herabsteigen, um die Bahnsteige zu erreichen. Zur Zuckerfabrik und Fährmühle gab es Anschlussgleise. Durch Rationalisierungsmaßnahmen verschwand die Anlage stückweise, zuerst die Gastwirtschaft, dann die Güterabfertigung und 1982 auch der letzte Rest des Bahnhofs.
           Im Jahre 1893c wurde die “Kalibohrgesellschaft Hedwigsburg” gegründet, welche die Lager bei Neindorf abbauen wollte. Die Industrieanlage wuchs bis zur Katastrophe am 30ten Oktober 1921, in dem die regelmäßigen Laugeneinbrüche ungeahnte Dimensionen annahmen. Die geamte Anlage füllte sich und widersetzte sich jeglichen Trockenlegungsversuchen. 15 Jahre später ereignete sich die zweite Katastrophe: In der Nacht zum Karfreitag 1936 entstand erdbebenartig der Einbruch des Schachts “Sascha”. Wer heute die Landstraße Linden Richtung Neindorf befährt, sieht vor dem Orte links eine Obstplantage mit dem Namen “Schacht” hier findet sich bei nährem Hinsehen der 128 Meter lange und 83 Meter breite Einbruchskrater


Wappen Heiningen HEININGENWenn man von der Autobahn A 395,Abfahrt Flöthe/Heiningen kommend in Richtung Osten den Oderwald durchfahren hat, fällt einem ein imposanter Kirchturm ins Auge. Es ist der Turm der um 1200 erbauten dreischiffigen
romanischen Basilika, der Klosterkirche St. Peter und Paul. Heute erinnern die Ausmaße und die Ausstattung an die klösterliche Zeit in Heiningen. Vor dem Hintergrund des Jubiläums der Klostergründung vor eintausend Jahren wurde die Kirche durch die Klosterkammer Hannover vorbildlich saniert.
           Es wird berichtet, dass im Jahre 1001 die adeligen Frauen Hildeswid und Alburgis aus dem Geschlecht der Billunger in Heiningen zu Ehren der Gottesmutter ein Kanonissenstift gründeten. Eine Urkunde von 1013 belegt, dass kein geringerer als der heilige Bernward, Bischof von Hildesheim, mit Hildeswid und Alburgis zu Kaiser Otto III. gereist sei, um hierfür den königlichen Schutz und Immunität zu erbitten. Zu dieser Zeit war das Nonnenkloster als weltliche Abtei mit Gütern in elf Dörfern ausgestattet - darunter Heiningen - Heingi oder Hennigi, wie man damals schrieb.
           Zum Wahrzeichen Heiningens hat sich das triumphbogenartige Tor des Klosters aus dem Jahre 1702 entwickelt. Es ist, wie auch die Petrus-schlüssel, ein wesentlicher Bestandteil des Gemeindewappens. Wie das Klostertor, sind vom Gebäudebestand einige Bauten auf das Wirken der Priorin Schröders (1695 -1724) zurückzuführen, darunter die 1705 errichtete große Scheune mit dem dreifachen Schüttboden, die den Hof in Richtung Osten abschließt. Die wechselvolle Klostergeschichte endete mit der Säkularisation, der Auflösung im Jahr 1810 durch König Jerome, da für Napoleons Aufrüstung neue Geldquellen zu erschließen waren. Heiningen wurde nicht etwa Domäne, sondern an den Meistbietenden, Amtsrat Johann Samuel Markworth aus Schöningen, verkauft. Am 7. März 1810 wird die Aufhebung der Klostergemeinschaft öffentlich gemacht. Die letzte der 41 Priorinnen, Josefine Klinkhard, überlebte dies Ereignis nur um wenige Wochen und starb am 15. Mai 1810. Damit ging eine über 800-jährige Klostergeschichte zu Ende. Mit Bewilligung von König Georg V. stiftete der Sohn des Ehepaares, Carl Degener (1814 -1880), das landtagsfähige Gut Heiningen, eine Maßnahme, die im Erbfall den Gesamtbesitz ungeteilt halten sollte. Erbberechtigt war nämlich der älteste Sohn  (Majorat).
           Im Zuge der Säkularisation wurden leider wesentliche Teile des Kreuzganges zugunsten einer besseren Ausleuchtung des Herrenhauses abgebrochen. 1810 wurde ein mit der Vorderfront zum Klostertor freistehendes Herrenhaus abgebrochen, die ehemalige Propstei.Noch heute ist allerdings der Gutspark mit seinen imposanten Bäumen als etwa um 1830 angelegter Landschaftspark zu erkennen, der den nahegelegenen Oderwald mit einbezog. Carllutz Degener verkaufte 1982 den gesamten Landbesitz an die Niedersächsische Landgesellschaft, um mit dem Erlös ins Ausland zu gehen. Das war das vorläufige Ende der Gutswirtschaft in Heiningen. 
          Heutiger Besitzer des Gutshofes ist dessen Sohn Andreas Degener, der das Problem hat, dass die enorme Baulast in einem großen Missverhältnis zum verbliebenen Grundbesitz steht. Nunmehr wird ökologische Land- und Milchviehwirtschaft betrieben, die Milch wird in der biologischen Rohmilchkäserei zu schmackhaften Käsesorten verkäst und im Dehmether-Hofladen verkauft

Hessen nach Merian

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HESSEN war, wie Schöppenstedt, sehr früh ein Marktflecken im Harzvorland. Seine zwei Jahrmärkte (An- und Verkauf von Tieren und Waren) benötigten befestigte Wege zur Sicherung des Handels. Nach den Befreiungskriegen wurden nicht nur die damals desolaten Chausseen und Dämme instandgesetzt, sondern auch zahlreiche Neubauten ausgeführt. Dazu gehörten die Straßen über den Zollberg Hessen, den Weinberg bis Klein Schöppenstedt und den Olla zwischen Schöppenstedt und Evessen.
        Anhand der Weinschenke lassen sich die engen Verbindungen zwischen Hessen und dem Braunschweiger Land darstellen. Denn das Lokal, das 1395 erstmals urkundlich erwähnt wurde und damit als älteste Wirtschaft Sachsen-Anhalts gilt, gehörte einst dem braunschweigischem Herzog. Am 24. Juni jenes Jahres verpachtete der Herrscher die Weinschenke für 20 Mark „löthigen Silbers" an einen gewissen „Hinrike Angersteyne". Das Gebäude war Bestandteil eines großen Wirtschaftshofes, der sich um das herzogliche Schloss erstreckte. Die Geschichte der weitläufigen Anlage mit Ober- und Unterburg geht zurück bis auf Kaiser Otto I. (966).
         Schloss Hessen war dann die Sommerresidenz der Braunschweiger Herzöge. Vor 1560 ließ Herzog Julius, noch als Prinz, das Schloss ausbauen. 1564 erblickte hier der spätere Herzog Heinrich Julius das Licht der Welt, der als gelehrtester Fürst seiner Zeit galt. Schon früh begann dieser, intensiv Bücher zu sammeln - so sind die Wurzeln der heute weltberühmten Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttels eigentlich in Hessen zu suchen. Und vielseitig war er auch: er führte nicht nur den Protestantismus ein, sondern brachte von einer Reise aus England auch die erste Kartoffel mit. Das kulturelle Leben am Rande des Fallstein erlebte eine ungeheure Blüte. Tatsächlich blickte die zivilisierte Welt schon früh auf das kleine Hessen - und zwar mit überraschten Augen. Die Pflanzensammlung in den ausgedehnten Renaissance-Gärten Hessens stellte mit 1700 Arten selbst königliche Anlagen wie Kopenhagen und Oxford in den Schatten. Der bronzene Figurenschmuck war zeitlos schön und ist heute noch zu bewundern: Teile stehen im Herzog-Anton-Ulrich  Museum (Braunschweig), im Rijksmuseum (Amsterdam) und im Louvre (Paris). Die Orgel schließlich, die Esaias Compenius eigens für die Schlosskapelle baute, wird auf Schloss Frederiksborg in Dänemark noch heute bespielt. Später diente das Schloss als Witwensitz, es wurde nach einem Brand 1641 immer mehr vernachlässigt.
         Mit der Zugehörigkeit zum Braunschweiger Land war es 1941 vorbei. Nach über 600 Jahren wurden Hessen und Pabstorf gegen Homburg und Roklum eingetauscht. Hintergrund war das “Salzgitter-Gesetz" demzufolge die dortigen Stahlwerke an die ergiebigen Brunnen rund um Homburg kamen. Kurioserweise hatten die Kriegsgegner von diesem Tausch zwischen Braunschweig und Preußen nichts gemerkt und Hessen blieb nach dem Ende des zweiten Weltkriegs eine Zeit lang ohne jede Besatzung. Dann allerdings folgte eine 44 Jahre währende Zugehörigkeit zum Ostblock. 1951 begannen die Behörden der DDR mit dem Abbruch des Schlosses. Der Grund, so Hessener Einwohner: es fehlte angeblich an Packmaterial für Wege und Straßen.
         Die Unterburg wurde wechselnd genutzt, mal als Pagenhaus, dann als Pferdestall und wieder als Pächterwohnung. Nach der Grenzöffnung wurde der Hausmannsturm saniert, in dem heute ein Kindergarten untergebracht ist. Die Oberburg verfiel zusehends. Der Westflügel war schon 1946 abgerissen worden, der Nordflügel brach in den 70er-Jahren weg. Übrig blieben der Ostflügel, der eine Kapelle enthielt, und der Südflügel. Durch die eingefallenen Dächer prasselte Regen in die Schlossreste. Seit 1995 setzt sich der Förderverein Schloss Hessen für den Erhalt ein.
         Das Dach des Ostflügels ist Gegenstand  der  „Sicherungsmaßnahme, Teil I". Der Eckpavillon ist dann Gegenstand des zweiten Bauabschnitts. Die Aussichtplattform ist in luftiger höhe bereits neu gegossen worden und ermöglicht den Blick auf den Renaissance-Garten, wie er auf einem alten Merian-Stich abgebildet ist. Die Wendeltreppe soll wieder auf die Aussichtsplattform führen, von der aus die Sicht zu drei Seiten offen ist - lediglich der Südflügel schränkt den Rundblick ein. Der Bahndamm wurde freigeschlagen, so dass die gesamte Anlage sichtbar wird. Zum Tag des offenen Denkmals wurde der Rasen  in unterschiedlichen Höhen gemäht, so dass die Konturen von Wegen und Fächern erschienen. Der Keller des Eckpavillons soll Platz für einen Jugendraum bieten; im Erdgeschoss ist eine Heimatstube geplant. In einem Museum können sich die Besucher in den Stockwerken darüber über die Schlossgeschichte und den Lustgarten informieren.
        Die Wände des Südflügels sind mittlerweile schief und drohen abzubröckeln. Wo einst das Dach war, wächst eine Pflanzenkrone. Seine Sicherung, der dritte Teil der Maßnahme, ist noch nicht bezahlbar, doch hofft man, dass das Schloss in fünf bis sechs Jahren wieder nutzbar sein wird.
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Hötensleben: LageHÖTENSLEBEN Ein Band aus grauen, mit rechteckigen Löchern versehenen Betonplatten schlängelt kreuzt mehrmals kreuzt die Bundesstraße 245a. Es verliert sich in einem Feld, um ein paar hundert Meter weiter wieder aus dem Nichts aufzutauchen. Einen Sinn hat der Plattenweg südöstlich von Helmstedt nicht mehr. Zu Zeiten der deutschen Teilung hieß er  Kolonnenweg, war Teil der DDR-Grenzanlagen und diente für Patrouillen im Todesstreifen. Am Grenzdenkmal am Rande von Hötensleben wurde ein Stück Grenze belassen, der Querschnitt entlang der Hauptstraße zeigt nicht weniger als ein Dutzend  Sicherungsmaßnahmen, von der Sichtblendmauer mit Laternen über den Signalzaun bis hin zu einer dichten Reihe aus Stahlhöckem als Hindernis für Fahrzeuge.
          Schon nach ein paar hundert Metern verliert sich die Geschichte im Gestrüpp. Die Natur hat sich Raum zurückerobert. Wildkräuter wuchern hier ungehemmt, ein Paradies auch für Vögel. Seltene Arten wie die Rohrweihe haben hier ein Zuhause, der Neuntöter lebt hier, sonst ist er in Deutschland kaum noch zu finden. Der Vogel hat die Angewohnheit, gefangene Insekten auf Domen zu spießen und diese erst später, bei größerem Appetit zu verspeisen. Besonders rund um den Braunkohle-Tagebau sind Naturliebhaber auf den Betonplatten auf dem richtigen Weg. Wer die Gegend mit dem Fahrrad erkunden möchte, sollte nicht allzu empfindlich gegen das Rumpeln auf den gitterartigen Platten sein.
 Hötensleben: Grenzmuseum         Zwischen Helmstedt und Harbke. endet der Kolonnenweg auf einer Aussichtsplattform. Man blickt in den Tagebau; das Erdreich auf dem einmal der Todestreifen lag, ist längst abgetragen. Und auch an anderer Stelle ist die ehemalige Grenze löchrig geworden. Felder und Neubaugebiete beginnen gleich neben den Betonplatten. In den Orten Zicherie und Böckwitz, gut zwei Kilometer südlich von Brome (Landkreis Gifhorn), erinnert kaum etwas daran, dass der Ort vor nicht allzu langer Zeit geteilt war. Eine gepflegte Wiese mitten im Ort könnte ein kleiner Park ohne jede Bedeutung sein. Nur ein Granitblock mit der Inschrift „Wir sind Europa" deutet an, dass der Rasen nicht zu jeder Zeit Zierde war. Dokumente der Teilung zeigt eine Ausstellung im landwirtschaftlichen Museum Böckwitz, einen Steinwurf entfernt.
          An die Grenze will auch die Gedenkstätte Marienborn erinnern, der größte innerdeutsche Übergang, direkt an der A2. Für den Besucher, der von der Autobahn aus Richtung Hannover kommt, taucht das Denkmal hinter einer  bunten Raststätte auf. Einen noch authentischeren Eindruck von der ehemaligen Grenzstation bekommt, wer sich von Süden über eine abgelegene Straße nähert: „Durchfahrt nur nach Aufforderung", heißt es auf einem alten Schild an einem Wachhäuschen zwischen Schlagbaum und Metallzaun. Neben einem abgebauten, vor sich hin rostendenWachturm und dem Wrack eines NVA-Panzers führt der Weg durch Schlaglöcher zu einem Parkplatz zwischen grauen Abfertigungshallen aus Beton. Unweit davon: Häuschen aus schmutzig-weißen Plastikrippen in denen Pässe kontrolliert wurden. Diese Originalplätze sind teils interessanter als die Exponate im Ausstellungsgebäude.
          Vorsicht ist noch heute bei den Erkundigungen im ehemaligen Todesstreifen geboten, heißt es auf einer Tafel am Grenzdenkmal Hötensleben, die Wege solle man nicht verlassen. Zwar seien die Minen längst beseitigt, garantiert wird aber für nichts.
    Nach: Enno Brendgens, Braunschweiger Zeitung, 31.08.02                                                                                                             

Ingeleben HeiratsmarktINGELEBEN Die Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Heeseberg blickte 1986 auf ihr 900-jähriges Bestehen zurück, ein Jubiläum, das auf einem Gedenkstein an der Kreuzung des Ortes fesgehalten ist. Die Geschichte des Dorfes ist sehr wechselhaft. Während des 30-jährigen Krieges kauften Ort und Kirche sich von den plündernden Horden der durchziehenden Truppen frei. Ein Steinkreuz, ebenfalls auf der Kreuzung des Dorfes aufgestellt, dokumentiert noch heute diesen historischen Vorgang. Die Ingeleber waren schon immer sehr streitbar. Kurz nach der Jahrhundertwende ist in einem Protokoll des Gemeinderates festgehalten :„Einen Beitrag zu den Kosten der Anlage einer Telegraphenlinie hierorts, an die Kaiserliche Oberpostdirektion zu zahlen, wird strikt abgelehnt.“  Aber der Fortschritt war, zumindest auf diesem Gebiet, nicht aufzuhalten....
          Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl vorübergehend auf 1130: viele Flüchtlinge aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien suchten eine neue Heimat und Arbeit in den naheliegenden Ballungszentren Schöningen, Helmstedt, Schöppenstedt, Wolfenbüttel, Braunschweig und natürlich Wolfsburg. Der heute 468 Köpfe zählende Ort entwickelte sich dabei immer mehr zu einem „Schlafdorf“, was  Konsequenzen auf die geschäftliche Weiterentwicklung der ansässigen Betriebe hatte. Heute gibt es lediglich eine Bäckerei und eine nur zeitweise geöffnete kleine Gaststätte. Um dennoch Kommunikationsmöglichkeiten zu haben, wird ein äußerst reges Vereinsleben gepflegt. So bot der Veranstaltungskalender der Gemeinde  2001 fünfundvierzig  Einzelveranstaltungen an.
      
   Weit über die Grenzen des Kreises bekannt ist darunter der alljährlich am Vortage des Himmelfahrtstages stattfindende „Heiratsmarkt“ des Junggesellen Clubs. Eine Attraktion für Pärchen ist die Chance, vor dem Standesbeamten eine Ehe für 24 Stunden zu schließen. Seit Gründung des Clubs 1969, haben sich bereits über 4000 Paare das Ja-Wort gegeben. Allein diese Zahl macht den Heiratsmarkt Ingeleben unkopierbar. Viele Paare schlossen später den Bund fürs Leben und viele davon kehren einmal jährlich an den Ort der Begegnung zurück. Somit hat sich gerade der Heiratsmarkt im Laufe der Jahre zu einer Riesenparty entwickelt, zu der Besucher selbst in Kleinbussen aus dem gesamten Bundesgebiet kommen. Alle Feste enden traditionell mit einem Katerfrühstück, bei dem das Freibier in großen Mengen fließt. Nicht umsonst heißt es in den umliegenden Ortschaften schon seit altersher : „Die Ingeleber verstehen es immer, ihre Feste zu feiern !“

Wappen Klein schöppenstedtKLEIN SCHÖPPENSTEDTKlein Schöppenstedt ist wesentlich älter als seine erste urkundliche Erwähnung Anfang des 13. Jahrhunderts. Aus dem Ortsnamen kann man schon Rückschlüsse ziehen: Orte auf -stedt in dieser Region gehören zu den ältesten unserer Heimat und sind in die Zeit vor 300 bis 500 n. Chr. einzuordnen. Dies scheint auf Klein Schöppenstedt zuzutreffen, das nicht etwa ein Ableger von Schöppenstedt südlich des Elms ist. In den ältesten drei Urkunden aus der Zeit um 1225 herrscht noch eine ursprünglichere Namensform vor, nämlich Scepenstede. Das bedeutet vermutlich “Ort des Sceppo". Damit besitzt Klein Schöppenstedt einen fast gleichlautenden Namen wie Schapen, das 1231 ,Scepen" heißt, was soviel bedeutet wie Scepenheim (Heim des Sceppo) Auch der Name “parvo Scepenstede" (Klein Schöppenstedt) taucht damals schon auf, um den Ort von seinen größeren Namensvettern zu unterscheiden.
       Die ältesten drei Urkunden von Schöppenstedt werden im Original mit Siegeln im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel aufgehoben und behandeln einen Steit um das Waldstück “Stute”: Die Mönche des Klosters hatten damals in diesem Wald Holz eingeschlagen und wurden daran von den Einwohnern des Dorfes gehindert, die der Meinung ware, dass ihnen das Holzeinschlagsrecht allein zusteht. Diese Urkunde ist ohne genaues Datum. Aus dem Inhalt der folgenden Urkunden ist allerdings zu schließen, dass es sich um die Zeit vor 1225 gehandelt hat: jene sprechen einenn Kirchenbann durch den Abt des Klosters Riddagshausen an. Danach durften die Einwohner nicht in die Kirche gehen, konnten ihre Kinder nicht taufen lassen, konnten nicht heiraten und bekamen kein christliches Begräbnis. Das heißt, dass sie praktisch aus der Gemeinschaft der Menschen des Mittelalters ausgeschlossen waren.
         So beginnt also die Geschichte des Ortes Klein Schöppenstedt, seine erste urkundliche Überlieferung,  mit einem handfesten Streit! In der damaligen Zeit war es noch ein Bauerndorf, dessen Land von den Schöppenstedtern bewirtschaftet wurde. Aber schon kurz danach beginnt das Kloster Riddagshausen, ähnlich wie in Mascherode, Höfe zu legen: 1231 beginnt das Kloster ein Stück nach dem anderen einzuziehen und einen eigenen Hof aufzubauen, der nun nicht mehr von den Bauern bewirtschaftet wurde. Man pflegt solche landwirtschaftlichen Betriebe in Eigenbewirtschaftung der Klöster als “Grangien" zu bezeichnen. Auch die Schöppenstedter Kirche, die vordem selbständig war, wird eingezogen; dazu gehörte wiederum erheblicher Landbesitz.         Die Grangien litten nach einem knappen Jahrhundert unter einem Mangel an Laienbrüdern, die die Landwirtschaft auszuführen hatten. Deshalb ging man im Laufe der Zeit wieder dazu über, das Land von Bauern bestellen zu lassen. Ähnlich wie in Mascherode geschah dies ab 1331.
           Da Schöppenstedt rechts der Oker liegt, gehörte der Zehnte ursprünglich dem Bischof von Halberstadt. Dieser hatte ihm im Laufe der Zeit aber gegen bedeutsame Zahlungen an den Grafen von Anhalt verlehnt. Dieser hatte den Zehnten seinerseits “verafterlehnt” an die Herren Balduin von Wenden und Ludwig von Neindorf. Auch das Stift Gandersheim und die Herren von Veltheim und Hohnhorst besaßen Anteile. 1256 tritt der Bischof von Halberstadt den Zehnten an das Kloster Riddagshausen ab. Nun heißt das Dorf ”Moneke Schöppenstedt" (Mönche-Schöppenstedt). Erst durch Verfügung des Braunschweigischen Staatsministeriums vom 6.7.1901 erhält es wieder seinen alten Namen".
          Offenbar ist das Dorf in seinem Grundriss planmäßig an der alten Straße als Zweireihendorf eingerichtet worden. Diese war so angelegt, dass sie an eine starke Quelle, den “Spring” stieß, die die Wasserversorgung übernahm. Nördlich des Dorfes, am Fuße des sog. Springberges gibt es eine weitere Quelle, die an der alten Heer- und Handelsstraße von Braunschweig nach Helmstedt drei kleine Teiche bildet.
         Nach der Neugründung ab 1331 war das Kloster Riddagshausen nicht nur der Grundherr für alle Höfe, sondern auch die sog. “Herrschaft", der neben den Abgaben der Bauern die “Hand- und Spanndienste" (2 Wochentage) zustanden. Es war weiter der oberste Gerichtsherr des Dorfes, so dass alle Unrechtmäßigkeiten vom Klostergericht abgeurteilt wurden. Darüber hinaus besaß es die “Kruggerechtigkeit”, es vergab also die Schankberechtigung und zog den Schankzins ein.
          Die Schule lag am Westende des Dorfes und hatte die Nr. ass. 10. Das Schulhaus bestand aus einem Wohnhause mit Scheune und Stall. Der Schuldienst wurde vom Prediger vergeben. Dazu gehörten 6 Morgen Land und an Wiesenwachs 3 Fuder Heu. In Mastzeiten durfte der Schulmeister so viel Schweine austreiben lassen wie ein Kotmann.. Er bekam als Schulgeld von jedem Kinde 9 Mariengroschen, für eine Kindtaufe 9 Mariengroschen, für eine “mittelmäßige Leiche” 12 Groschen. Das älteste noch erhaltene Wohnhaus ist ein östlich der Kirche gelegenes Langhaus. Es wurde im 17. Jahrhundert errichtet.
       Der nahegelegene “Schöppenstedter Turm” (ursprünglich “vor dem Schepenste damm”, ein Bergfried) hatte mit dem Dorf nicht viel zu tun und wurde erst vor 100 Jahren eingepfarrt. Etwa zur gleichen Zeit wurde nach Erdöl gebohrt; die wenig ergiebigen Pumpen wurden 1963 stillgelegt

Wappen: Mit dem steigenden goldenen Löwen und der Farbstellung (blau/gold) wird an die Zugehörigkeit der Ortschaft zum ehemaligen Landkreis Braunschweig erinnert. Die Zisterzienser- Raute wurde in das Wappen integriert

Karte: Vahlberg / asseschachtKarte: Vahlberg / asseschachtKLEIN VAHLBERG wird 1344  als Osteren-Vahlberg erstmals erwähnt, und erhielt 1367 den Namen Lüttgen-Vahlberg. Das adlige Gericht Klein Vahlberg ist ein altes Lehen der von Schwartzkoppschen Familie. Dazu gehören die Dörfer Klein Vahlberg und Wetzleben. Das Dorf hatte neben der Kirche schon sehr früh eine Schule, die die Gutsherrschaft besetzte. Zum Edelhof gehörten neben den Ländereien eine Fischerei, die Jagd und die Schäferei. In der Umgebung wurde an den Hängen der Asse Alabaster gebrochen, der zu Gips gebrannt wurde. Der mittelalterliche Turm der Kirche und das neuere Schiff sind nicht bündig miteinander und ohne ebenerdige Verbindung untereinander. Interessant ist die Gruft der Familie von Schwartzkopf.
 Galgenberg Klein VahlbergMeescheberg Klein Vahlberg         Wenn man sich heute dem Ort nähert, fallen einem die im Norden und Süden gelegenen zwei Hügel auf, auf denen sich eine Linde bzw. eine Eiche befindet. Hierbei handelt es sich um je einen Tumulus, unter denen sich Fürstengräber befinden. Das Fürstengrab unter dem Galgenberg wird auf das 7. Jahrhundert geschätzt. Im Jahre 1907 untersuchte F. Fuhse den Galgenberg und legte 1908 einen ausführlichen Bericht vor. Die Geschichte des Berges (sehen wir von seiner jüngsten Bedeutung als Hinrichtungsstätte einmal ab) wird dadurch erklärbar: ursprünglich existierte hier nur ein kleiner, über drei jungsteinzeitlichen Gräbern angelegter Hügel. Später, nach merowingerzeitlichen Bestattungen, wurde der Hügel zu seiner heutigen Höhe angeschüttet. Das alte Skelettgrab war mit einer Reihe von Beigaben versehen, die leider verschollen sind. mehr...                              

 Galgenberg (links), Meescheberg (rechts)

BSE-Bahnhof Kneitlingen-Ampleben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ehem. Bf. Kneitlingen-Ampleben  (links) Kneitlingen (rechter Rand)

Eulenspiegeldenkmal KneitlingenKNEITLINGEN 1135 schenkte Kaiser Lothar seinem Dom in Königslutter acht Hufen Land in Kneitlingen; 1141 kommt Kneitlingen als “Cletlinge” vor. Eine Familie von Kneitlingen hatte bis zum Jahre 1350 Gründbesitz im Dorf. Der letzte Namensträger war preußischer Obrist und starb 1739 in Nürnberg. Neben den alten Familien des Braunschweiger Landes von Ampleben, von Warle, von Veitheim, von Reihen und von Uetze, die zeitweilig Grundbesitz in Kneitlingen hatten, konnte sich die Familie von Kalm seit 1454 bis zur Seperation 1843 ununterbrochen in dem Lehen besitz eines Ackerhofes mit vier Hufen halten. Das Dorf Kneitlingen kam, nachdem es die zweite Frau des Herzogs Heinrich Julius, Elisabeth, eine Schwester des Dänenkönigs Christian IV., besessen hatte, 1627 an die von Cramm-Sambleben, die auch seitdem Gerichtsherren des Dorfes waren und das Patronat über die Kneitlinger Kirche innehatten.
          Im Gegensatz zu Ampleben gab es in Kneitlingen nie ein Rittergut. Stattdessen prägten seit alten Zeiten die drei Ackerhöfe und fünf Halbspännerhöfe das Dorfbild. Diese alten Höfe, teilweise unter Denkmalschutz, und die von den Dorfbewohnern mit viel Liebe und Einsatz gepflegten Grünanlagen, geben Kneitlingen eine ganz besondere Atmosphäre. Auch Volkstum und Sagen haben sich mit Kneitlingen beschäftigt. Im Teich vor dem Eulenspiegelhof gibt es den Hakemann, der leichtsinnige Kinder in die Tiefe zieht. Gegenüber im Garten des Behrenschen Hofes wollen noch vor 120 Jahren Spinnjungfern Erdmännchen gesehen haben, die eine Feuerstelle tanzten. Es soll im Dorf auch einen Schäfer gegeben haben, der Frauen mit dem bösen Blick auf die Zäune bannen konnte. Das Nikolaussingen der Kinder am 6. Dezember hat sich bis heute erhalten. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil der Heilige Nikolaus der Patron der Kneitlinger Kirche ist. Seit 1877 steht die Freiwillige Feuerwehr regelmäßig zum Löschen bereit. Eine Schützengesellschaft gibt es seit 1893.
  hic fuit        In Kneitlingen ist Till Eulenspiegel, der Schalk und berühmte Sohn des Ortes, natürlich vielfach anzutreffen. Am nördlichen Dorfrand gibt es eine ”Eulenspiegel-Linde”, die 1975 unter Naturschutz gestellt wurde. Auf dem Weg zum Eulenspiegelhof trifft man an einer Stallwand auf den Informationskasten der Kirchengemeinde. Ein Eulenspiegelporträt weist auf das mehr oder weniger berühmte Denkmal an der Kirche hin.
 
         In den dreißiger Jahren hat es der Bildhauer Theo Schmidt-Reindahl im Auftrage des Nazi-Ministerpräsidenten Klagges geschaffen. E. A. Roloffsen, erster Vorsitzender des   Eulenspiegel-Freundeskreises, der in seinem Buch ”Ewiger Eulenspiegel” den Kneitlinger zum ”rassisch reinen” SA-Mann umgedeutet hat, sah in dem Werk einen ”stattlich, einnehmenden, treuherzigen, jungen Bauern, germanisch in Gesichtsausdruck und Haltung”. Während des Krieges konnte das Denkmal nicht wie geplant aufgestellt werden, dies wurde aber 1947 nachgeholt. Der Germane wurde ”entnazifiziert”.
          Das Dorf hat danach seine Geschichte, seine Identität wiedergewinnen können, ist nicht in die Anonymität versunken und lebt als eines der kleinsten Dörfer im Landkreis Wolfenbüttel trotz aller Reformen unter dem Namen weiter, den es von seiner fast 1000jährigen Geschichte erhalten hatKneitlingen: Kirche
          Die Kirche in Kneitlingen stammt aus romanischer Zeit. Sie wurde von den Tempelrittern gegründet und ist dem Heiligen Nikolaus geweiht. Sie wird im Jahre 1141 das erste Mal erwähnt. Mit einem fast quadratischen Saalbau und einem eingezogenen Chorund ist die einzige Dorfkirche im Landkreis Wolfenbüttel mit noch vorhandener halbrunder Apsis und kleinen romanischen Fenstern.  Deutlich zu erkennen an der nördlichen Außenwand des Schiffes der alte ursprüngliche Eingang. Die Kreuzgewölbe im Chor und Schiff sind gratig. Im Chor-Viereck befindet sich eine rundbogige Kleeblatt-Nische. In der Apsis gibt es drei alte, kleine Rundbogenfenster; die größeren Fenster im Schiff und Chor-Viereck sind neu. In der Südmauer des Turms ist der mit lateinischem Kreuz auf Halbbogen versehene Deckel eines Kindersarges, der um 1860 eingemauert wurde. Die Ostmauer des Turmes wurde, um eine Orgel einzubauen, durchbrochen. Von der Kanzel, die ein Tischler in Räbke geschaffen hatte, sind verschiedene Figuren und korinthische Säulen ins Vaterländische Museum nach Braunschweig gekommen. An der Nordseite des Turmes soll nach einer Dorfbeschreibung von 1753 eine Abbildung Till Eulenspiegels zu sehen gewesen sein,  die “endlich aber wegen großen Schadens und Anlauf der zu sehen begierigen Kriegsleute, um Gefahren und Schaden zu verhüten, weggetan worden” ist. Wieder im Besitz der Kirche ist ein Taufstein von 78 cm Höhe und runder Form, aus der Kirche in Frellstedt oder Räbke stammend, aus dem Jahre 1584. Der Fuß ist ein Wulst, die Platte Karnies, reich profiliert.            
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